Von wegen Stinker

Von wegen Stinker

Aus den globalen Lieferketten sind sie nach wie vor nicht wegzudenken, die „guten alten Lkw“ – vor allem, wenn es um die so genannte letzte Meile geht, die von umweltschonenderen Transportmitteln wie etwa der Bahn schlichtweg nicht befahren werden kann. Wir alle sind also auf den Lkw angewiesen. Dennoch steht er wegen seiner Emissionen immer wieder in der Kritik, ja wird mitunter sogar offen angefeindet.

Das soll sich schon in naher Zukunft ändern – zumindest wenn es nach der kürzlich gegründeten Interessengemeinschaft „H2Accelerate“ geht, die aus klingenden Namen wie der Daimler Truck AG, Iveco, OMV, Shell und Volvo besteht. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, wasserstoffbetriebenen Lkw europaweit zum Durchbruch zu verhelfen. Hintergrund ist, dass sich immer mehr Länder und Unternehmen zu einem emissionsfreien Transport bekennen und Wasserstoff als zentrales Element der vollständigen Dekarbonisierung des Lkw-Bereichs dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Der Mercedes-Benz GenH2 ist Daimlers Konzept für ein brennstoffzellenbetriebenes Langstreckenfahrzeug.

Die flächendeckende Einführung von sauberen Wasserstoff-Lkw wird laut der – optimistischen – Einschätzung von Experten etwa ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Den Anfang sollen Kunden machen, die sich bereits frühzeitig zu dieser Technologie bekennen und entsprechende Lkw einsetzen wollen. Die Fahrzeuge sollen zunächst in regionalen Clustern sowie entlang europäischer Transportrouten mit hoher Auslastung und guter Wasserstoff-Tankstellenversorgung fahren. Im Laufe des Jahrzehnts könnten diese Cluster dann miteinander verbunden werden, sodass ein europaweites Netzwerk entsteht.

Konkret sehen die Pläne von „H2Accelerate“ zwei Phasen vor:

  • Einige hundert Lkw, rund 20 Tankstellen mit hoher Kapazität, ausgewählte Standorte/Cluster
  • In der zweiten Hälfte der 2020er Jahre soll eine europaweite Abdeckung erreicht werden: Mit vierstelligen Lkw-Produktionszahlen pro Jahr, einer rapiden Volumenerhöhung auf mehr als 10.000 Lkw und zahlreichen Tankstellen mit hoher Kapazität und Funktionssicherheit.

Die Einführung von wasserstoffangetriebenen Lkw in hohen Stückzahlen kann nebenbei die Entstehung neuer Industriebereiche bedeuten: CO2-freie Wasserstoffproduktionsanlagen, große Wasserstoffverteilsysteme, ein Tankstellennetz mit hoher Kapazität für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff und die Serienproduktion von wasserstoffangetriebenen Lkw.

Den Start der Serienproduktion seines futuristischen Wasserstoff-Lkw plant Daimler für die zweite Hälfte der 2020er Jahre.

Europa hat das Ziel eines emissionsfreien Transports bis zum Jahr 2050 ausgegeben. Ohne öffentliche Mittel wird das freilich nicht gehen. So wollen die an „H2Accelerate“ beteiligten Unternehmen in einer ersten Phase gemeinsam Fördermittel für frühe Vorserienprojekte akquirieren. Parallel dazu werden sie mit politischen Entscheidungsträgern und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten. Das Ziel: Ein entsprechendes Umfeld schaffen, das den weiteren Aufbau der Serienfertigung von wasserstoffangetriebenen Lkw und ein europaweites Betankungsnetz für CO2-freien Wasserstoff begünstigt. „In Zukunft wird der Verkehr auf einer Kombination aus batterieelektrischen und brennstoffzellenbasierten Elektrofahrzeugen sowie bis zu einem gewissen Grad auch anderen erneuerbaren Kraftstoffen basieren. Die Zusammenarbeit im Rahmen von ,H2Accelerate‘ stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer lebenswerteren Welt dar“, ist Volvo-Chef Martin Lundstedt überzeugt. Wir können nur hoffen, dass er Recht behält!

Fotoquelle: Daimler Truck AG

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